Chronische Nasenneben­höhlenentzündung

Wann ist eine Nasennebenhöhlenentzündung chronisch?Wenn eine Sinusitis länger als zwölf Wochen andauert oder die Beschwerden nach zwölf Wochen noch nicht vollständig abgeklungen sind, ist eine Nasennebenhöhlenentzündung chronisch. Eine chronische Sinusitis kann zusätzlich danach eingeteilt werden, ob Nasenpolypen vorhanden sind oder nicht. Entsprechend gibt es die CRSsNP (chronische Rhinosinusitis ohne Nasenpolypen; das kleine „s“ steht für das lateinische „sine“, das „ohne“ bedeutet) und die CRScnP (chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen; „c“ steht für das lateinische „cum“ und bedeutet „mit“). In der Entstehung einer chronischen Sinusitis steht bei der Form ohne nasale Polypen die Fibrose (Umbauprozess, der zur Verhärtung des Gewebes führt) der Nasenschleimhaut und bei der Form mit nasalen Polypen die Wassereinlagerung im Vordergrund.

Hinter einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung können sich hartnäckige Krankheitserreger wie der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus verbergen. Da chronische Entzündungen dazu neigen, sich auf das umgebende Gewebe auszubreiten, sollte ein Arzt um Rat gefragt werden. Gerade bei jungen Menschen kann sich eine Entzündung von Bestandteilen des Knochens ergeben.

Welche Ursachen stecken dahinter, wenn eine Sinusitis chronisch wird?

Entsprechend ihrer Einteilung in „mit Nasenpolypen“ und „ohne Nasenpolypen“ sind vorhandene nasale Polypen eine häufige Ursache für die Chronifizierung einer Sinusitis. Darüber hinaus kann eine Septumdeviation (schiefe Nasenscheidewand) nicht nur die Anfälligkeit für das Entstehen einer Sinusitis begünstigen, sondern auch einen chronischen Verlauf. Des Weiteren sind Tumore, Asthma bronchiale und eine Immunschwäche Faktoren, die das Risiko für eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen erhöhen.

Eine chronische Entzündungsreaktion kann in der Schleimhaut und im Nasensekret festgestellt werden: Zum einen sind viele Zellen enthalten, die durch Entzündungsreize angelockt werden. Dazu gehören Granulozyten, Mastzellen und T-Lymphozyten, denen unterschiedliche Aufgaben im Rahmen einer Entzündungsreaktion zukommen. Anhand des häufigsten Typs der eingewanderten Zellen wird eine Entzündung als neutrophil (hauptsächlich neutrophile Granulozyten) oder als eosinophil (hauptsächlich eosinophile Granulozyten) beschrieben. Zum anderen können Botenstoffe wie Histamin, Leukotrien D4 und Leukotrien E4 sowie Prostaglandin D vermehrt in entzündlichen Sekreten und Geweben nachgewiesen werden.

Eine chronische Sinusitis kann akute Beschwerden machen, wenn die andauernde Entzündung plötzlich heftig aufflammt. Ursachen sind häufig Bakterien, die in dem entzündlichen Gewebe gut gedeihen. Ein akutes Aufflammen sollte mit Antibiotika wie Cefuroxim, Clindamycin, Levofloxacin oder Amoxicillin mit Clavulansäure behandelt werden. Wenn kein akutes Aufflammen vorliegt, kann eine Operation überlegt werden, um eine chronische Sinusitis endgültig zu behandeln. Nach einer Operation muss langfristig eine entzündungshemmende Therapie mit Steroiden zur lokalen Anwendung und eine Behandlung mit Schleimlösern durchgeführt werden.

Nasenpolypen (Polyposis nasi) und Chronisch-polypöse Sinusitis (Polyposis nasi et sinuum)

Nasenpolypen entstehen praktisch nie in der Nase, sondern in den Siebbeinzellen und vor allem in der Kieferhöhle. Von dort aus wächst der Polyp in den mittleren Nasengang und gelangt so in den Nasenrachenraum. Etwa vier Prozent der Gesamtbevölkerung haben einen oder mehrere Nasenpolypen. Bei Patienten mit Asthma bronchiale oder einer Analgetika-Intoleranz (Schmerzmittel-Unverträglichkeit mit Asthma-ähnlicher Reaktion auf alltägliche Schmerzmittel) sind bei bis zu 60 Prozent Nasenpolypen zu finden. Im Blutbild findet sich eine Eosinophilie, das bedeutet, dass eine Art der weißen Blutkörperchen stark vermehrt ist, was wiederum typisch für allergische Erkrankungen wie Asthma ist. Gehäuft lassen sich Nasenpolypen außerdem bei der Erbkrankheit Mukoviszidose (Zystische Fibrose) feststellen.

Eine chronische Sinusitis aufgrund solcher Nasenpolypen macht deutlich weniger Beschwerden als eine akute Sinusitis. Die Symptome sind milder ausgeprägt, Kopfschmerzen treten seltener auf. Dennoch ist die andauernde Entzündung im Alltag beeinträchtigend und wird als erste Wahl mit Steroiden, die direkt auf das betroffene Schleimhautgebiet gegeben werden, behandelt. Steroide zur Behandlung sind nur dann möglich, wenn der Nasenpolyp den Ausgang aus der Nebenhöhle seiner Entstehung und den mittleren Nasengang noch nicht vollständig blockiert. Des Weiteren werden pflanzliche Schleimlöser und bei bakterieller Infektion natürlich Antibiotika wie AmoxiClav (Amoxicillin mit Clavulansäure) eingesetzt. Bei einer Allergie als Auslöser der Beschwerden, sollte das entsprechende Allergen gemieden oder eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden. Dennoch besteht nach jeder Therapie ein hohes Risiko dafür, dass erneut Polypen und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen auftreten. Eventuell ist bei hohem Leidensdruck und starken Beschwerden eine Operation notwendig.

Zysten und Zelen

Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die meist als Zufallsbefund auffallen und in der Regel harmlos sind. Am häufigsten treten sie in der Kieferhöhle auf. Damit eine Zyste nicht doch zu Problemen führt, indem sie beispielsweise den Ausgang aus der Kieferhöhle versperrt, sollten Zysten in der Kieferhöhle, die größer als 1,5 cm sind, am besten entfernt werden. Die Abtragung einer solchen Zyste kann durch den mittleren oder den unteren Nasengang sowie durch eine Lücke im Oberkieferknochen über den Zähnen erfolgen. Dazu wird eine Nasenspiegelung durchgeführt.
Zelen werden über ihren Inhalt näher beschrieben: Eine Mukozele enthält Schleim, eine Pyozele ist infiziert und mit Eiter gefüllt. Zelen entstehen wenn narbige Verwachsungen nach einer Verletzung oder nach einer Operation den Abfluss verlegen. Zumeist haben Zelen ihren Ursprung in der Stirnhöhle. Sie wachsen langsam und schieben das umgebende Gewebe zur Seite. Wenn Zelen lange wachsen, können sie unter anderem den Augapfel zur Seite drücken, was nach einiger Zeit zu Doppelbildern führen kann.